Straßenverzeichnis

Straßenverzeichnis Groß Särchen

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Groß Särchen (Wulke Ždźary)

Auch wenn man auf den Dorfstraßen schon eine Generation lang niemanden mehr trifft, der sorbisch - oder, historisch richtiger gesagt, wendisch spricht: im Ursprung ist das am Schwarzwasser liegende Kirchdorf eine slawische Siedlung, kurz vor 1400 erstmals urkundlich genannt. Es gehörte zur Standesherrschaft Hoyerswerda; die bewirtschaftete dort ein Vorwerk. Mittelpunkt des Dorfes ist die Evangelische Kirche, ein stattlicher Bau, geweiht 1782. Der Turm mit Haube ist bereits 1750 erbaut; und überhaupt das Gotteshaus bereits das dritte an gleicher Stelle, die Kirche wuchs gleichsam mit dem Dorf. Und der Turmeingang mit seinem Kreuzrippengewölbe mag die erste Kapelle gewesen sein, im 15. Jahrhundert gebaut. Mit der Reformation, hier im Jahre 1540, bekam das Dorf seinen ersten eigenen Pfarrer.

Bis zum 1. Weltkrieg blieb es ein Bauerndorf. Dann kam die Braunkohle und veränderte seine Struktur. Da, wo heute der Knappensee mit einer Größe von 264 Hektar zur Erholung einlädt, entstand der erste große Tagebau der damaligen Firma "Eintrach" AG, seit 1950 Knappenrode.

Etwa 1190 Einwohner hat das Dorf; und seine jetzt wichtigste Aufgabe ist es, die Folgen zu mindern, die der Zusammenbruch der Braunkohleförderung mit sich gebracht hat. In diesem Zusammenhang ist es zu sehen, dass, getragen von einem Heimatverein, vor einigen Jahren "Krabat´s Neues Vorwerk" als touristischer Anziehungspunkt gebaut wurde. Groß Särchen sieht sich damit in der Tradition dieser sorbischen Sagengestalt. Sie gibt ihr aber, dass ist das Besondere unseres Dorfes, historische Wurzeln. Denn Tatsache ist: hier wirkte um 1700 der sächsische Oberst Johann von Schadowitz. Ihm war vom sächsischen König das Vorwerk Särchen als Altersruhesitz zugewiesen worden, von dessen Erträgen er zu leben hatte. Er stammte aus Agram (heute Zagreb) in „Krabatien“, wie auf alten Landkarten statt Kroatien zu lesen ist; er wurde im Jahre 1704, als guter Katholik, in dem benachbarten Wittichenau in der dortigen Kirche bestattet. Krabat – Kroat: mehr als nur ein Wortspiel! Mit dieser historischen Persönlichkeit, die, so wird erzählt,  dem Dorf zum Segen wirkte, verband sich die in gleichem Geist wirkende Gestalt des guten wendischen Zauberers „Krabat“ zu einer nicht mehr lösbaren guten Verbindung, die wir pflegen wollen.

Jens Kieschnick
Ortsvorsteher