Straßenverzeichnis

Straßenverzeichnis Lippen

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Lippen (Lipiny)

Lippen ist der östlichste Ort der Großgemeinde Lohsa, in die das kleine Dorf, mit seinen knapp 80 Einwohnern 1996 nach Abstimmung der Bürger eingemeindet wurde. Etwas abseits der Fernverkehrsstraße (S 108) , mit nur einer Zufahrtsstraße, ist der Ort sehr ruhig gelegen.
Lippen wird 1375 erstmals urkundlich erwähnt und gehört seit spätestens dem 16. Jahrhundert zum Kirchspiel Lohsa. Der Ortsname wechselte im Laufe der Geschichte mehrmals: 1759 Lippen, 1800 Lipina, 1831 Liping. Auf sorbisch heißt der Ort Lipiny, was abgleitet "Lindengewächs" gedeutet.
Das Rittergut des Dorfes ist  1610 erstmals urkundlich belegt. Im Eigentum des Christoph von Geoda wechselte es im Laufe der Geschichte oft den Grundbesitzer, bis der letzte Besitzer, Herbert Kluge, 1945 im Zuge der Bodenreform enteignet wird.
Dem Tagebau Lohsa, der 1963 den Ort Lippen erreichte, musste der größte Westteil der Ortschaft weichen. Neben der Verbindungsstraße zu den Nachbarorten wurden 24 Wohnhäuser, 1 Schule und 11 Teiche vom Bergbau vernichtet sowie 140 Einwohner mussten umgesiedelt werden. Die Reichsbahnstrecke Hoyerswerda-Horka-Kohlfurt führte dicht am Ort vorbei. Auch diese musste umverlegt werden.
 
In den letzten Kriegstagen von 1945 gab es um Lippen heftige Gefechte. Viele deutsche Soldaten verloren hier ihr Leben. An die 100  wurden auf einem Soldatenfriedhof am Ortseingang (von Ratzen kommend) beigesetzt. Ein großes Birkenkreuz und viele kleine Kreuze erinnerten mahnend an diese schrecklichen Ereignisse. Durch die nahende Abbaggerung des Westteiles mussten die Gräber umgesetzt werden und sind jetzt am Ortseingang von Lippen zu finden. Vor ein paar Jahren wurden hier noch sterbliche Überreste von Soldaten, die bei Waldarbeiten gefunden wurden, beigesetzt.

Das Sühnekreuz, welches einst in Lippen am Feuerwehrdepot stand, wurde 1960 nach Hoyerswerda ins Museum überführt. Dort ist es noch heute im Schlosshof zu finden.

Die Dorfschule, mit nur einer Klasse (von der ersten bis zur vierten) wurde erst 1950 geschlossen. Danach wurden die Lippener Kinder in Uhyst eingeschult. Heute besuchen sie die Grund- und Mittelschule in der Gemeinde Lohsa.

Im Haus der heutigen Lindenstraße 10 wurde am 27. Januar 1873 Johann Hajesch geboren. Dieser war später Inhaber des Kaufhauses Hajesch in Lohsa und ein Mitbegründer der Domowina. Johann Hajesch verstarb am 5. Dezember 1960 in Lohsa.

In ehrenamtliche Arbeit und mit viel Bürgerengagement wurde von 1965 bis 1967 ein Kulturhaus für den kleinen Ort errichtet. In diesem waren eine Verkaufsstelle, ein Bürgermeisterbüro, eine Gaststube und ein  Saal für allerlei Festlichkeiten untergebracht. So konnte zusammen gesellig gefeiert werden. Das Gebäude wurde nach der politischen Wende von der Gemeinde verkauft. Somit gibt es keine Räumlichkeiten für gemeinsame Treffen im Dorf, was den Lippnern sehr fehlt.

Im Jahre 1974 wurde die Ortschaft Lippen nach Uhyst eingemeindet. Lange Zeit, von 1825 bis 1960 schwankte die
Einwohnerzahl um die 200, nach der Devastierung 1964 hatte Lippen nur noch 87 Einwohner. 1996 wurden sogar nur noch 46 gezählt. Durch den Zuzug von jungen Familien hat sich diese Anzahl der Einwohner in den letzten Jahren fast verdoppelt. 
Im Jahre 2002 wurde ein Rund- und Wanderweg um den Ort angelegt. Die vier Abschnitte des rund einen Kilometer langen Weges ist in unterschiedliche Themenkomplexe untergliedert: die Natur, die Landwirtschaft, den Bergbau und einen Sinnespfad. 
Der Heimatverein „Dorfinitiative Lippen e.V.“ wurde 2005 gegründet. Die Mitglieder des Vereins pflegen die Tradition des Zamperns und organisieren Veranstaltungen im Ort, wie das jährliche Hexenbrennen, den Männertag und das Heimatfest, zu dem auch immer gern die Ehemaligen aus Lippen kommen.
Am 18. Juni 2011 fand in Lippen der 14. Gedenktag für abgebaggerte sorbische Dörfer statt. Mit Unterstützung der Domowina und vieler weiterer Helfer wurde ein großes Fest organisiert, welches alle Erwartungen übertraf.  Die Zeitungen, Funk und Fernsehen berichteten über unseren kleinen Heimatort. Es entstand eine Gedenk- und
Erinnerungsstätte am Westrand des Ortes mit einem Findling, einer Schautafel und einer neu gepflanzten Linde.
Am 16. September 2012 ist es wiederum mit Hilfe der Domowina gelungen, eine Kopie des Sühnekreuzes von Lippen in diese Gedenkstätte einzubringen. Der Firma „Grabmale Israel“ ist es gelungen, ein würdiges Abbild des alten Steinkreuzes  zu schaffen. Somit ist ein weiterer Teil von Lippen nicht ganz verschwunden und bleibt der Nachwelt
erhalten.